100% vegan? – Oder: Wie vegan kann man eigentlich sein?

Heute möchte ich ein Thema ansprechen, was mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt hat. Wie vegan kann man leben? Oder eher, wie vegan lebe ICH?
Ich habe es von Anfang an nie als sonderlich schwer oder mühsam empfunden, mich vegan zu ernähren. Es machte direkt soviel Spaß und ich fühlte mich so wohl damit, dass mir kleine Schwierigkeiten wie “woher kriege ich leckeren veganen Käse” etc. nicht wirklich viel ausmachten.

Je mehr ich mich aber in die Materie eingelesen habe, desto öfter ist mir aufgefallen, dass es doch ein paar Dinge gibt, um die man auch als Veganer schwer oder kaum herumkommt.
Z.B. die Tatsache, dass sich im Ettiketten-Kleber mindestens einer von mir konsumierten, veganen Soße Kasein befindet.
Oder das Gelatine auf Kinofilmrollen verwendet wird. (Korrigiert mich bitte, falls das heute nicht mehr der Fall sein sollte, früher war es wohl so…)
Oder das die Lebensmittelindustrie anscheinend Milchzucker (den sie als Abfallprodukt irgendwie loswerden muss) in Pommes und Fertiggerichte pumpt – wobei aber Pommes und Salat aber oft die einzigen Dinge sind, die ich essen kann, wenn ich mit meiner Familie essen gehe.
(Vielleicht kennt ihr das Problem ja, meine Eltern machen es mir da recht leicht, die gehen auch vegan mit mir essen, oder z.B. zum Sushimann, (-> Avocado und Gurken-Sushi) aber meine Großeltern sind da nicht so progressiv und was soll ich also in einem gutbürgerlichen Restaurant anderes bestellen? Auf die Schwierigkeit bei der Wahl der Salatsoße (Essig und Co) habe ich ja noch nichtmal hingewiesen.

Durchs googlen nach spezifischen Produkten, um zu erfahren, ob sie vegan sind oder nicht, gelangte ich immer wieder auf vegane Foren wo ich zum Teil Dinge las, die mich doch leicht verwunderten. Anscheindend sehen es manche Veganer so, dass ein Produkt nicht vegan ist, wenn sich Produktionsbedingt Spuren von tierischen Inhaltsstoffen darin befinden können. Bisher dachte ich, das wäre unter Veganern gar kein Thema, aber auch das ist wohl nicht so einfach, wie es mir zuerst schien.

Wie seht ihr das? Wo zieht ihr eure Grenze?
Geht ihr nicht mehr ins Kino?
Kauft ihr unterwegs keine Pommes, auch wenn es das einzige ist, was ihr bestellen könnt?
Würdet ihr eine Soße mit Kasein im Etiketten Kleber kaufen?
Machen eventuelle Spuren von Tier ein Produkt unvegan?

Erstmal möchte ich an dieser Stelle auf einen Spiegel Artikel hinweisen, der zeigt, wo oft Tier drin ist, ohne das man was davon merkt. Viele dieser Dinge dürften den meisten Veganern natürlich bekannt sein, aber mir zumindest waren auch ein paar Sachen neu: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,711042,00.html

Mich würde eure Meinung zu dem Thema echt interessieren. Es geht mir nicht darum, herauszufinden, wer der beste Veganer ist und wer am vegansten lebt (zumal ich da eh schlecht abschneiden würde, glaube ich^^). Für mich ist das einfach nur interessant, weil ich mir in den letzten Wochen sehr, sehr viele Gedanken zu dem Thema gemacht habe.

Ich persönlich habe mich dazu entschieden, diese Dinge nicht zu eng zu sehen. Ein Hardcore Veganer würde das vielleicht anders sehen. Meiner Meinung nach sind Kasein und Milchzucker ja keine Stoffe, die für dieses spezielle Produkt wirklich benötigt werden. Sie werden verwendet, weil es Abfallprodukte der Milchindustrie sind. Sie sind einfach da (leider) und ob man sie jetzt in Pommes oder Etikettenkleber tut, oder sie einfach wegschmeißt, kommt für mich eigentlich schon realtiv aufs gleiche raus. Natürlich mag ich den Gedanken nicht, irgendwo Tier drin zu haben und vermeide es, wann immer ich kann, aber manchmal kann ich es einfach nicht. Wenn ich unterwegs bin, muss ich ja irgendwas essen und da halte ich Pommes immer noch für die beste Alternative.
Als Veganer habe ich auch nicht wirklich viele Soßen fürs vleischige Grillen oder meine Tortilla Wraps zur Auswahl. Also kaufe ich auch die Soße mit Kasein im Kleber. Denn ich kenne leider keine wirkliche Alternative und vermutlich wird auch in vielen, vielen anderen Produkten, z.B. in Konservendosen Kasein im Kleber enthalten sein, ohne das ich es weiß. Ich kann aber auf diese Produkte nicht wirklich verzichten und habe auch nicht das Geld, mir alles im Bioladen zu kaufen (auch wenn Kasein da ja vielleicht auch auftauchen könnte?)
Ich gehe auch ins Kino, weil ich zwar vegan leben will, aber trotzdem noch ein normales Leben führen will. Außerdem glaube ich, dass man durch solche Aktionen am ehesten erreicht, dass seine Freunde einen für extrem freaky halten, was nicht gerade dazu beiträgt, dass sie sich für das Thema Veganismus öffnen bzw interessieren.
Und wenn irgendwo draufsteht, dass ein Produkt Spuren enthalten KANN, dann kaufe ich es trotzdem.

Bin ich dadurch eine schlechtere Veganerin? Oder inkonsequent? Ich weiß jedenfalls, dass es Leute gibt, die da wie ich denken, aber es würde mich auch interessieren, andere Meinungen zu hören.

Insgesamt denke ich, dass niemand in unserer heutigen Gesellschaft 100%ig vegan leben kann, außer er steigt aus und lebt im Wald nur von Beeren und Co.
Aber ich finde, wenn man das tut, was man kann und das vermeidet, was einem möglich ist, dann ist das auch schon ein ganz großer Schritt… ;)

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