Der Brandanschlag auf die Hühnermastanlage in Sprötze

Gestern erhielt ich eine Email eines mir unbekannten Absenders. Ich möchte heute mit meinem Beitrag zur Diskussion zu diesem Thema anregen, da mir seit Sonntag viele Gedanken durch den Kopf schwirren.

Der Betreff zeigt den Auslöser: „Brandanschlag in Sprötze“

„Bei einem Brandanschlag auf eine kurz vor der Fertigstellung stehende Hühnermastanlage in Sprötze (Buchholz in der Nordheide) wurde am Freitag, 30.07.2010, die komplette Anlage zerstört. Der Schaden beläuft sich laut Betreiber auf 500.000 Euro. Er wisse nicht, ob er wieder eine Anlage bauen werde.“ Quelle: http://www.tierschutznews.ch/tiere/tierschutz/3384-brandanschlag-auf-leerstehende-huehnermastanlage-in-sproetze-verhindert-tierquaelerei.html

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich geplättet über die Dreistigkeit des Verfassers dieser Email. Zumal ich mich tatsächlich frage, weshalb er/sie ausgerechnet mir diese Provokation zukommen lässt. So bin ich keine aktive Tierrechtlerin und erst recht distanziere ich mich von kriminellen Aktivitäten. Egal in welcher Form. Dennoch möchte ich den Brandanschlag heute zum Thema machen, da mich die gesamte Situation schon ziemlich bewegt.

„In der Hühnermastanlage sollten in Kürze rund 37000 Tiere quälerisch auf engstem Raum eingesperrt und schließlich nach etwa fünf Wochen Lebenszeit in den Tod geschickt werden. Zu diesem Zeitpunkt kann ihr Körper das angefressene Gewicht kaum noch tragen, denn ihnen wurde das Sättigungszentrum im Gehirn weggezüchtet, sie fressen bis der Körper es nicht mehr verkraftet. Beine knicken weg, Bewegungen sind kaum noch möglich. Die Masthühner werden dann in Kisten in LKWs gepfercht und nach zum Teil stundenlangen Fahrten und Wartezeiten schließlich im Akkord in Großschlachthöfen umgebracht. Die Tiere können sich aber nicht nur deshalb kaum bewegen, weil sie als Qualzucht kaum noch zu vernünftigen Bewegungen in der Lage sind, sie haben in den gigantischen Hallen schlicht keinen Platz, denn einem Tier steht nur ein „Platz“ von einer 2/3 Din A4 Seite als „Lebensraum“ zur Verfügung.

Da die Hühner am Ende ihres kurzen Lebens gut 1,5 Kilogramm wiegen, bleibt auch nicht der geringste Platz für ein einzelnes Tier, sich zu bewegen. Und das, wie in Sprötze, beispielsweise auf einer Fläche von 1600 Quadratmetern. Quälerei und Leid so weit das Auge reicht. Bei 37000 Tieren wären pro fünf Wochen „Mastzeit“ bereits mehrere tausend Tiere allein an der Qual der Haltung gestorben.“ Quelle: http://www.tierschutznews.ch/tiere/tierschutz/3384-brandanschlag-auf-leerstehende-huehnermastanlage-in-sproetze-verhindert-tierquaelerei.html

Mittlerweile hat sich die A.L.F., die Animal Liberation Front, zum Brandanschlag bekannt.

„Nichtmenschliche Tiere werden als nutzbare Ressorce angesehen und behandelt. Zum Beispiel in Zoos und Zirkussen, als Haustiere, als Pelztiere, Leder-, Fleisch-, Eier- und Milchlieferanten, Tierversuche, etc. Dabei werden ihnen jegliche Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche und Schmerzempfindungen abgesprochen. Sie haben keine Chance ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.
Die Aktion wurde durchgeführt um direkt Leben zu retten, da alle vorher argumentativ geführten Auseinandersetzungen gescheitert sind. Der psychische Druck und der finanzielle Schaden, der auf der_den Besitzer_in lastet ist uns bewusst. Dies steht aber in keinem Verhältnis gegenüber den Qualen, die die Hähnchen dort erleiden müssten. Alle Versuche die Mastanlage wieder aufzubauen um Profit auf Kosten von Individuen zu machen werden wir zu verhindern wissen!
Solange nichtmenschliche Tiere der Herrschaft der Menschen unterworfen sind, bleiben sämtliche Tierausbeutungsbetriebe Ziele solcher und ähnlicher Aktionen. Auch sollte diese Aktion zeigen, dass Tierausbeutung direkt angegangen werden kann.“ Bekennerschreiben der A.L.F. – Quelle: http://www.tierbefreier.de/presse/10/080810_huehnermast_sproetze.html

Nun möchte ich gerne dazu Stellung beziehen und einfach meine Gedanken dazu teilen, vielleicht eine kleine Diskussion anregen. Der Bau der Mastanlage war für mich ein Schock und ich konnte nicht verstehen wie soetwas genehmigt werden konnte. Es freut mich sehr, dass viele Menschen aus ganz Deutschland gegen den Betrieb protestierten und das Ortsansässige über das Internet sogar Hilfe ersuchten um die Genehmigung zu verhindern. Letztlich half leider nichts. Nun steht die Anlage nicht mehr. Einerseits bin ich über den Brandanschlag empört, kann nicht so ganz verstehen weshalb auf diese Weise der Ruf aller Tierrechtler, Tierschützer, Veganer leiden muss. Auf der anderen Seite jedoch verhindern hier Aktivisten ein riesen großes Elend und nehmen ganz offen die Schuld auf sich. Bekennen sich für ihre Tat. Alles für das Wohl und das Leben der Wesen, die keine eigene Stimme haben. Keine Möglichkeiten um sich zu wehren.

Ich bin froh, dass kein Mensch und offensichtlich auch kein Tier bei dieser Aktion ums Leben gekommen ist oder verletzt wurde. Und will hier nochmal an alle appellieren, dass es sich lohnt für seine Überzeugungen und vor Allem für das Wohl und das Recht anderer zu kämpfen, solange man die Konsequenzen und die Grenzen kennt und einhält.

Nicht jeder vegan lebende Mensch und auch nicht jeder Tierrechtler ist vor dem Gesetz ein Verbrecher.

Wie seht ihr das Ganze und was sind eure Gedanken dazu?

Edit: Bei Skavoluzzer wurde heute auch schon davon berichtet: http://skavoluzzer.blogspot.com/2010/08/bekennerschreiben-zu-brandanschlag-auf.html

3 Gedanken zu “Der Brandanschlag auf die Hühnermastanlage in Sprötze

  1. Hallo liebe Erbse,

    Ich bin selbst (noch) vegetarierin, lebe jedoch weitgehen vegan. Bis auf ein paar ausnahmen, dies möchte ich jedoch bald ändern und “voll“ veganerin werden.

    Als ich von dieser Mastanlage hörte war ich selbst schockiert und gleichermaßen wütend. Einerseits bin ich erleichtert und froh, dass diese Mastanlage nicht mehr steht andererseits bin ich auch schockiert und irgendwie beschämt über das verhalten von anderen gleichgesinnten. Es erscheint mir eine leichtsinnige, unüberlegte Aktion gewesen sein. Ich kenne jetzt natürlich keine weiteren Hintergründe jedoch wurde hier doch offensichtlich der Tod anderer Menschen und sogar der Tiere, die eigentlich gerettet werden sollen, in kauf genommen. Das kann nie der richtige weg sein. Oder habe ich etwas überlesen oder Falsch verstanden?

  2. die ALF macht nur aktionen, wo weder Mensch noch Tier gefährdet werden.
    Trotzdem, sowas geht natürlich nicht. Auch wenn mir das Ergebnis (keine Mastanlage mehr) natürlich willkommen ist.
    viel größer ist aber der schaden, der für die Tierrechtsbewegung entstanden ist: jetzt werden Veganer/Tierrechtler wieder als militante, kriminelle Spinner bezeichnet und sie stehen denkbar schlecht da.

  3. Ich muss ehrlich sagen, dass ich von solchen Aktionen eigentlich fast immer enttäuscht bin.
    Natürlich geht es darum ein Zeichen zu setzen, aber ich finde das mutwillige Zerstörung, egal unter welchen Vorraussetzung, immernoch eine Verschwendung von Ressourcen ist.
    Selbst wenn diese Aktion etwas bewirken würde, kann ich mich unter dieses Umständen nicht positiv darüber äußern. Da ist immer das interessante an solchen Sachen, die im Namen der Tiere oder der Umwelt gemacht werden. Keiner denkt über die sinnlose Verschwendung der Bauteile für diesen Masthof nach. Jedes Produkt, jede Produktion zieht einen langen Schwanz an Ressourcen und Energieaufwendungen hinter sich.
    Das ist ähnlich, wie mit den Farbeimern und den Pelzmänteln: Es setzt ein Zeichen, der Pelz wird allerdings schnell weggeworfen und wieder sind ein Paartiere umsonst gestorben und werden durch neue ersetzt. Die breite Gesellschaft lässt sich durch solche Sachen nicht gerne umerziehen. Das einzige, was für mich Sinn macht, ist Aufklärung und den Markt mit meinem eigenen Kaufverhalten zu beeinflussen. Ist vielleicht manchen Leuten nicht radikal genug, aber ich kann nachts ruhig schlafen.

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