Motivation

Hallo,

ich möchte mich euch gerne als RoteRatte vorstellen.
Geboren bin ich 1981; ich bin verheiratet, habe zwei Kinder (1,5 und 4 Jahre alt) und wir leben mit einem netten Haufen, hauptsächlich von ihren Vorbesitzern nicht mehr gewollter und/oder schlecht gehaltener, Tiere zusammen auf einem alten Resthof auf dem Lande. Das sieht jetzt erstmal sehr klassisch und spießig aus, aber wir sind schon eher die Alternativlinge hier im Dorf (;

Mein Mann und ich, wir sind beide Tierärzte aus dem Nutztierbereich. Mich hält derzeit zum einen meine mich sehr erfüllende Mutterrolle von dieser Tätigkeit ab, aber zunehmend auch meine sich immer weiter verändernde Einstellung und Sichtweise bezüglich der Nutztierhaltung an sich. Mein Mann arbeitet als leitender Tierarzt auf einem Schlachthof und ist dort neben der Lebensmittelhygieneüberwachung natürlich für den Tierschutz zuständig.

Seit meinem 14ten Lebensjahr esse ich kein Fleisch mehr, mit Ausnahme einer heute beschämenden Zwischenzeit, in der ich Fisch gegessen habe.
Meinen Mann habe ich als überzeugten Fleischesser kennengelernt. Er wurde im Laufe der Zeit erst Solidaritäts- und später überzeugter Vegetarier.
Unsere beiden Kinder leben natürlich auch fleischlos; der Große schon mit einem absoluten Selbstverständnis, da Tiere schließlich seine Freunde sind.

Ich bin sehr ländlich aufgewachsen, wir selber hatten Schafe, Kaninchen und Hühner, die zum Schlachten bestimmt waren, mein Onkel einen Bauernhof, auf dem ich oft geholfen habe. Tiere zu töten und zu essen war etwas völlig Normales und wir waren als Kinder auch oft beim Abziehen und Ausweiden dabei. Aber mit meinem heranwachsenden Bewußtsein für mich und die Welt, wuchs auch mein Unverständnis für das Töten der von mir doch so geliebten Tiere und es fiel mir zunehmend schwerer sie zu essen.
Ausschlaggebend für meinen Entschluß keine Tiere mehr zu essen, war die Sendung „Achtung lebende Tiere“. Nachdem ich abends beim Fernsehgucken zum ersten Mal richtig mit der Grausamkeit von Massentierhaltung und Tiertransporten und dem Wahnsinn des Fleischkonsums konfrontiert und zutiefst erschüttert worden war, aß ich ab dem nächsten Tag keine Tiere mehr. Meine beste Freundin machte auch mit.
Und das war damals gar nicht so einfach wie heute – wir beide gründeten in unserem Umfeld quasi eine neue Randgruppe mit unserer Gesinnung, Fleischersatzprodukte kannte man bei uns zunächst nicht, das Internet als Informationsquelle auch nicht, das nächste Reformhaus war 40km entfernt… aber ich bin trotzdem nicht verhungert und sogar weiter gewachsen ( ;

Das Tiermedizinstudium und das Arbeiten mit sämtlichen Verordnungen und Gesetzen aus den Bereichen Tierschutz, Milch-, Fleisch- und Lebensmittelhygiene und die dazugehörigen Praktika (unter anderem mehrere Wochen auf einem Schlachthof), die Handaufzucht eines Ferkels und das enge Zusammenleben mit ihm in meiner 26qm Ein-Zimmer-Wohnung, die Zeit in der Klinik für Wiederkäuer, die Einblicke hinter die Kulissen der Nutztierhaltung und in die Arbeit meines Mannes, die Verantwortung den eigenen Kindern gegenüber und der alltägliche Wahnsinn der industriellen Billigproduktion tierischer Lebensmittel mit all ihren Folgen, bestärkten und bestärken mich in der Entscheidung fleischlos zu leben!

Als ich anfing das Buch „Tiere essen“ von J. S. Foer zu lesen, begann ich nochmal über vieles nachzudenken und kam ins Grübeln, ob es ausreicht einfach nur keine Tiere zu essen… ich begann mich zu informieren…
Der zunächst einzige Kontakt zu Veganern war der übers Internet und endete eigentlich meistens mit Parolen wie „Vegetarier sind Mörder“ und hinterließ vorwiegend den Eindruck, es hier mit einem militanten, intoleranten und verurteilenden Völkchen zu tun zu haben. Nicht besonders reizvoll, leider.
Dann unterhielt ich mich einige Male mit Erbse über Veganismus, da es ihr anfangs ähnlich ging wie mir und das Thema wurde mir dann doch schnell zugänglicher. Ich wurde neugierig und wollte einfach mal ausprobieren vegan zu kochen und zu backen. Dazu muß ich sagen, daß Kochen und Backen mit zu meinen liebsten Hobbys gehören.

Ich entschloß mich also für Erbse einen veganen Kuchen zu backen und fing an es auszuprobieren… und war sehr schnell sehr überrascht, wie einfach und entbehrungsfrei das ist! Dann ärgerte ich mich sogar, nicht schon viel früher auf die Idee gekommen zu sein! Wie überflüssig doch Eier, Milch, Sahne, Butter und andere Tierprodukte beim Backen sind (wenn man nicht gerade eine Biskuit-Sahne-Torte mit rotem Fondantüberzug im Auge hat und wie ich nicht sonderlich auf den Geschmack aufschlagbarer Sojasahne und mit veganem Fondant auf Kriegsfuß steht und auf der Suche nach der Perfektion des veganen leuchtend roten Lebensmittelfarbstoffs verzweifelt…, aber es gibt ja zum Glück noch genug andere Tortenvarianten und man lernt ja nie aus)!!!

Das Kochen habe ich heimlich einfach auf vegan umgestellt, da mein Göttergatte von der Idee nicht so begeistert war und das Ergebnis war verblüffend: meine Männer haben es einfach nicht gemerkt (wenn es nicht gerade um etwas Überbackenes ging; aber mittlerweile habe ich eine Hefeschmelzvariante gefunden, an die sich alle gewöhnen konnten)!

So, das war Anfang des Jahres 2011 und seitdem koche und backe ich also ausschließlich vegan und bin begeistert! Ich als alter Kreativling kann mich richtig dabei austoben Rezepte zu veganisieren und neu zu entdecken und es macht mir wahnsinnigen Spaß, noch viel mehr selbermachen zu können und zu müssen und mein Gewissen findets auch super.
Meine Kinder und mein Mann mögen mein Essen genauso gerne wie vorher, meine Kuchen und Torten sind genauso gefragt wie vorher und bei sämtlichen Gelegenheiten in Kindergarten und Spielkreisen, auf Kindergeburtstagen etc. kommen meine Kreationen bei Kindern und Erwachsenen genauso gut an wie vorher.

Ich möchte noch anmerken, daß wir (noch) nicht vollkommen aber überwiegend vegan leben. Wir haben es uns zur Grundlage beim Konsumieren gemacht, tierische Produkte in jeder überflüssigen und ersetzbaren Form möglichst zu vermeiden. Da sie fast überall überflüssig und einfach zu ersetzen sind, wird der Anteil solcher Produkte in unserem Haushalt zunehmend geringer und hat sich gerade auch in Bezug auf Lebensmittel mittlerweile sehr drastisch reduziert.

Wir befinden uns mit unserer Familie in einem Entwicklungsprozeß und ich bin grundsätzlich überzeugt davon, daß der vegane Weg einer der richtigen Wege für einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Welt ist und für mich persönlich auch sein wird.

Ich freue mich sehr darauf, einige meiner Rezepte mit euch teilen zu dürfen und bin gespannt auf euer Feedback!
Was euch bei mir erwarten wird, sind wahrscheinlich hauptsächlich veganisierte klassische Hausmannskost und Vleischgerichte, Kuchen und Gebäck und kindgerechte Dinge, die auch für Kinderpartys oder derartiges geeignet sind. Also eher bodenständiges und familientaugliches Nom denke ich, nichts abgefahrenes (=

Wow, das war eine lange Vorstellungsgeschichte. Vielen Dank, wenn es euch interessiert hat und ihr bis hier durchgehalten habt (=

Eure

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17 Gedanken zu “Motivation

  1. Hey,

    sehr schöner Beitrag. Finde es großartig, wenn Menschen, die das den ganzen Tag mitbekommen, irgendwann in sich gehen und ihre Haltung dazu überdenken. Sehr vorbildlich :) Freue mich schon auf die Rezepte und vielleicht noch ein paar Storys von euch „Insidern“

  2. Guten Morgen,

    vielen Dank für die ausführliche und sympathische Vorstellung! Glückwunsch auch zu deiner/eurer Entscheidung, es mit dem Veganimus zu versuchen.

    LG Federchen

  3. Ich finde deine „Vorstellung“ total gelungen!
    Wirklich superschön ausführlich (aber nicht aufdringlich) erzählt, fand ich sehr interessant und super zum Lesen!
    Wie ein gutes Buch :)
    Vorallem finde ich super, was du für einen Beruf ausübst und wie du deshalb zu Tieren stehst. Ich kenne leider nur Tierärzte, die deswegen auf „Tierschutz/-recht“ scheißen „weil sie ja alles schon gesehen haben und wissen wie was abläuft“.
    Ich wünschte es gäbe mehr von euch :)

    Lg

    • Dankeschön, das ist aber lieb :-)
      Schade, daß du in der Hinsicht keine guten Erfahrungen mit Tierärzten hast, aber ich kann dir versichern: es gibt mehr von uns ;-)
      In meinem Semester waren wir zumindest schonmal einige Vegetarier!
      Liebe Grüße

  4. hallo auch von mir!
    sympathische vorstellung, und du siehst auch gar nicht aus wie eine typische tierärztin… und gerade im nutztierbereich erwartet man ja garantiert mit piercings und kopftuch. klischee olé ^^

  5. Hallo RoteRatte :)

    sag mal…
    Du kommst mir irgendwie schwer bekannt vor.
    Spielst du zufällig Poi und warst dieses Wochenende auf der FS-Con?
    Ich hoffe meine Augen treiben jetzt keinen Schabernack mit mir und ich verwechsel dich :D

    Lg Matze

    • Hallo,
      tut mir leid lieber Matze, aber ich fürchte, Du verwechselst mich tatsächlich :-), aber das macht nichts :mrgreen:.
      Meine Poispiel“künste“ beschränken sich leider auf Isolations und Butterfly ;-), aber ich übe noch; dafür kann ich Jonglieren, Diabolo spielen und übe Einradfahren ;-)
      Dann spielst Du wohl so richtig Poi?
      Ganz liebe Grüße!

      • Hey,

        Sorry ich hät drauf schwören können. Siehst der Dame dann zum verwechseln ähnlich.

        Hey hey, da haste mir was vorraus. Isolations sind meine Nemesis :D
        Das sind auch nette Hobbys :) Jongliern kann ich auch ein wenig. Demnächst vielleicht mal Bälle zum anzünden basteln… :D
        Ja ich spiele Poi „so richtig“ ;D Ist einer meiner liebsten Zeitvertreibe.

        Liebe Grüße

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