Schoko-Orangencreme-Torte mit Marzipandecke und “Tortenbauanleitung”

Heute sind wir auf einen Geburtstag von einem Traktorfan eingeladen und da kann ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, eine kleine Traktortorte zu basteln.

In diesem Fall mit Schokoböden und Orangenbuttercreme und viiiel Marzipan oben drauf.

Für eine Torte mit 18cm Durchmesser braucht Ihr:

Böden:

  • 150g Zucker
  • 100g Mehl
  • 50g Stärke
  • 60g echten Kakao
  • 1,5 TL Backpulver
  • 1 TL Natron
  • 50ml neutrales Öl
  • 150g Sojajoghurt
  • 125ml heißen Getreidekaffee oder eben richtigen Kaffee

Creme:

  • 1/2 Päckchen Vanillepuddingpulver
  • 1-2 EL Zucker
  • 200ml Sojamilch oder anteilig durch Orangensaft ersetzen
  • 125g Alsan, Zimmertemperatur
  • Orangenöl oder Orangenaroma oder Orangenabrieb

Für die Marzipandecke und Verzierungen:

  • mindestens 200g Marzipan
  • Puderzucker und evtl. etwas Stärke
  • Lebensmittelfarben (z.B. diese von Wilton)

Wenn ich sie habe, dann lasse ich mir für eine solche Torte gerne 2 Tage Zeit: am ersten Tag backe ich morgens den Kuchen und koche den Pudding, am Abend schneide ich die Böden, bereite die Creme zu, fülle und bestreiche den Kuchen und stelle ihn über Nacht in den Kühlschrank. Am nächsten Tag ist dann das Marzipan dran.

Folgende “Bauanleitung” ist natürlich kein allgemeingültiges Patentrezept, sondern die Art und Weise, wie ich meine Torten zusammenklöppel :-D

Aus den Zutaten für die Böden einen Rührteig herstellen und am besten in eine komplett mit Backpapier (dadurch werden die Ränder schöner und der Kuchen gleichmäßiger und saftiger) ausgekleidete Springform füllen und bei 180°C Umluft 35-40 Minuten backen (Stäbchenprobe). Wer einen besonders perfekten Kuchen ohne mittigen Hubbel haben möchte, kann ihn nach der Isoliermethode (wie z.B. hier) backen, dann braucht er allerdings etwas länger und sollte bei 160°C Ober- und Unterhitze gebacken werden. Ich feuchte dazu Küchenpapier an, schlage es in Alufolie ein, lege es passend um den Rand der Springform und fixiere das Ganze mit einer umgebundenen Kordel. Das klappt sehr gut, ist aber etwas aufwändiger und nicht immer nötig, denn einen Hubbel kann man auch mal einfach abschneiden :-) und mit überschüssiger Creme zu einem kleinen Gruß für den Liebsten umwandeln:

Aber zurück zum Wesentlichen:

den Kuchen nach dem Backen etwas in der Form abkühlen lassen, dann auspacken und vom Backpapier befreien und auf einem Gitter auskühlen und abtrockenen lassen (am Boden ist er erstmal ziemlich feucht und etwas klebrig, darum stelle ich ihn kopfüber auf das Gitter).

Dieser Kuchen ist, finde ich, perfekt für gefüllte Torten geeignet, da er sehr stabil und fest und trotzdem saftig und lecker ist. Er schmeckt auch ordentlich schokoladig und durch den (Getreide)Kaffee etwas kräftiger und hat eine tolle sehr dunkle Farbe. Ich nehme zwar auch sehr sehr gerne den liebsten Schokokuchen von Kim Wonderlans aus diesem wundervollen Backbuch, aber der ist für Torten schon eher schwieriger zu handhaben, da er sehr weich und fluffig und dadurch brüchiger ist.

Für die Creme wird aus Puddingpulver, Zucker und Sojamilch oder Saft ein Pudding gekocht, der auf Zimmertemperatur abkühlen muß. Dann wird die Alsan schaumig geschlagen und nach und nach der Pudding untergemixt. Die Alsan sollte zur Verarbeitung die gleiche Temperatur wie der Pudding haben, sonst gerinnt die Creme und flockt aus. Sollte das trotzdem mal passieren, kann die Creme ganz kurz in der Mikrowelle erwärmt und nochmals kräftig durchgeschlagen werden, wodurch sie wieder homogen aber leider nicht mehr so schön locker wird.

Dann noch etwas Orangengeschmack dazu und fertig. Sollte die Creme zu weich zum Füllen der Torte sein, muß sie erst noch mal kurz in den Kühlschrank, bis sie streichfähig ist.

Das hier ist mein Universalrezept für Buttercreme und unendlich variabel. Man erreicht herrliche Geschmacksrichtungen, wenn man die Sojamilch ganz oder zum Teil durch Säfte ersetzt und kann auch ganz einfach verschiedenen Aromen oder auch Sirup hinzufügen. Wenn man Sirup (z.B. Karamellsirup) verwendet, dann reicht bei der Puddingzubereitung ein EL Zucker, sonst wird es schnell zu süß. Grundsätzlich kann man im Nachhinein immer noch mit gesiebtem Puderzucker nachsüßen.

Jetzt kümmern wir uns um die Tortenböden. Wenn Ihr eine kleinen Berg gebacken habt, dann müßt Ihr vorsichtig den Hügel abschneiden, damit der Kuchen einigermaßen grade wird. Nun wird der Kuchen zweimal durchgeschnitten, damit wir drei Böden bekommen. Ich schneide einen Boden und nehme ihn mit einer zwischengeschobenen dünnen Unterlage (z.B. einee Pappe oder einem Eßdeckchen) runter.

Bevor wir mit dem Tortenbauen beginnen, legen wir eine Kuchenpappe auf die Tortenplatte. Darauf kommt jetzt der vormals oberste Teil des Kuchens und zwar mit der Schnittfäche nach unten, also der Oberseite oder eben der ehemaligen Hügelseite nach oben. Darauf streichen wir eine Schicht von der Orangencreme und setzen den mittleren Boden darauf, der wiederum mit Creme bedeckt wird.

Achtet beim Schichten darauf, daß die Cremeschichten einigermaßen grade verteilt sind und nicht zu den Seiten hin abfallen, sonst baut Ihr eine Kuppel und keine schöne grade Torte.

Den obersten Boden bildet die vorige Unterseite des Kuchens und zwar mit der Unterseite nach oben, denn die hat einen schönen graden Rand.

Jetzt muß der Kuchen noch komplett mit Creme bestrichen werden. Einfacher geht das, wenn Ihr den Kuchen nochmal kurz in den Kühlschrank stellt, damit die Füllung etwas fester wird und bei ungeübter Hand nicht sofort zur Seite rausgedrückt wird. Das Einstreichen gelingt besonders gut mit einer Teigkarte, die einen rechten Winkel hat und einer Palette (letztere habe ich allerdings auch nicht, steht aber auf dem Wunschzettel ;-) ) Hier sind die Schritte des Einstreichens sehr schön bebildert und der Trick mit den Backpapierstreifen ist auch gut!

So, jetzt wandert die Torte am besten eine Nacht lang in den Kühlschrank, damit sie schön fest wird und bereit für das Marzipan ist. Für alle, die kein Marzipan mögen, gibt es hier ein Rezept von mir für veganen Fondant. Die Buttercreme kann jetzt auch nochmal gut nachbearbeitet werden, wenn man noch Hubbel oder unsaubere Ränder findet.

Die Tortenpappe schneiden wir jetzt vorsichtig mit einer Schere tortennah ab und entfernen damit die häßliche Buttercremeschmiererei, die ja keiner mehr sehen soll ;-).

Kommen wir also zum Aufhübschen der Torte mit Marzipan:

Ich habe Euch auf diesem Bild mal ein paar nützliche Dinge für die Verarbeitung von Marzipan und Rollfondant zusammengestellt, die einem wirklich vieles leichter machen:

ein Silikonrollstab mit Ringen (damit hat man beim Ausrollgut immer die gleiche Dicke), meine geliebten Wilton-Farbpasten, ein Fondantglätter, eine rechtwinklige Teigkarte, Förmchen und Buchstabencutter zum Ausstechen und das alles auf einem Stück Wachstischdecke zum Ausrollen.

Etwa ein Drittel der Marzipanrohmasse sollte zusätzlich als Puderzucker eingeknetet werden, dadurch wird die Konsistenz des Marzipans angenehmer und es klebt nicht mehr so stark. Man kann auch zusätzlich noch mit etwas (!) Stärke arbeiten (z.B. bei Dekoelementen, nicht bei der Decke), damit das Marzipan nicht mehr klebt, aber hier ist Vorsicht geboten, da Stärke das Marzipan trocken und brüchig macht.

Um eine Torte dieser Größe (18cm) mit Marzipan einzuschlagen, brauchen wir etwa 200g Marzipanrohmasse. In diese Menge kneten wir nun gesiebten Puderzucker und die gewünschte Lebensmittelfarbe ein, bis das Marzipan einheitlich gefärbt und gut händelbar (sprich es klebt nicht mehr teuflisch an den Händen, ist aber noch geschmeidig und läßt sich gut ausrollen) ist. Jetzt muß die Masse so ausgerollt werden, daß der Durchmesser noch ein Stück größer ist, als der Durchmesser der Torte plus 2x deren Höhe. Ist die Marzipandecke zu klein und entspricht nur den Maßen der Torte, wird es schwer sie faltenfrei auf der Torte zu verarbeiten.

Als Unterlage zum Ausrollen der Marzipanmasse nehme ich ein Stück Wachstischdecke, die verrutscht nicht beim Ausrollen und das Marzipan haftet auch ohne Puderzucker nicht an und bleibt schön glänzend. Mit einem Nudelholz wird also jetzt die Marzipandecke auf dem Wachstuch ausgerollt (ich mache das ohne jegliches weitere Hilfsmittel, wenn das Marzipan die richtige Konsistenz hat und nicht mehr zu klebrig ist, geht das auch, man kann aber Puderzucker oder Plastikfolie oder Backpapier als Ausrollhilfe benutzen. Hat die Decke die richtige Größe und Dicke (2-4mm), kann man sie entweder locker auf ein Nudelholz auf- und über der Torte wieder abrollen, dann hat man allerdings die eventuell durch Puderzucker stumpf gewordenen Seite, auf der ausgerollt wurde, oben. Ich nehme einfach mein Wachstuch mit dem Marzipan dran, platziere diese Kombination mittig auf der Torte und ziehe das Wachstuch ab. Das funktioniert prima, wenn die Buttercreme gut gekühlt und schön fest ist und so ist die glänzende Seite der Marzipandecke oben.

Jetzt muß das Marzipan faltenfrei auf der Torte verarbeitet werden. Hier kann man einen Fondantglätter sehr gut gebrauchen, es geht aber natürlich auch ohne.

Zuerst wird das Marzipan auf der Oberseite schön gleichmäßig an die Torte angedrückt und blasenfrei ausgestrichen. An den Seiten wird das Marzipan vorsichtig vom Rand aus nach unten geglättet (Vorsicht, daß der Rand nicht einreißt) und angedrückt und die Falten werden an die Überlappung weitergegeben (und das funktioniert halt nur, wenn die Marzipandecke vorher groß genug ausgerollt wurde, sonst kann man sie nur um die Torte herumfalten).

Wenn alles sitzt, wird das überschüssige Marzipan mit einem Messer entfernt.

Mit einem Fondantglätter kann man jetzt nochmal alles schön gleichmäßig nachbearbeiten und glätten.

Jetzt kann die Torte noch schön mit Marzipanelementen verziert werden; in meinem Fall natürlich mit einem Traktor, einem Haufen Marzipangras (das macht man übrigens mit einer Knoblauchpresse), ein paar Blümchen um der Torte die maskuline Härte zu nehmen und einem Schriftzug. Sollten die Dekoelemente nicht von selber haften wollen, kann man mit ein wenig aufgepinseltem Wasser nachhelfen.

Uuuuuuund fertig :mrgreen: !!!!!

Da Marzipan sehr schnell Feuchtigkeit zieht und dann matschig wird, sollte die Torte nicht im Kühlschrank gelagert werden (außer Ihr besitzt eine luftdicht abschließende Tortenglocke), sondern besser in einem kühlen Raum z.B. im Keller.

Mit ein bißchen Übung bekommt wirklich jeder eine hübsche Torte hin! Probiert es einfach mal aus. Und solche kleinen Kunstwerke sind immer ein willkommenes Geschenk ;-) und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wahrscheinlich darf ich bald auch endlich mal eine Hochzeitstorte basteln <3…

Das hier war z.B. Erbses Geburtstagstorte :-)

und das eine Muttertagstorte…

So, und jetzt viel Spaß beim Ausprobieren!

Eure

About these ads